Auslandsnachfrage stützt deutschen Maschinenbau bei schwachen Inlandsinvestitionen
Die preisbereinigten Bestellungen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau stiegen im Juli um 2% gegenüber dem Vorjahr. Auslandsorders legten um 4% zu und glichen einen Rückgang der Inlandsbestellungen um 3% aus, während US-Zollpolitik, schwache China-Nachfrage und wachsender Wettbewerb Risiken bleiben.
Auslandsmärkte treiben das Wachstum im Juli
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau erhielt im Juli mehr Aufträge als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich eine Erholung fort, die weiterhin stark von ausländischen Kunden abhängt. Der preisbereinigte Wert der Neubestellungen stieg im Jahresvergleich um 2%, berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf Daten des Branchenverbands VDMA.
Hinter dem Gesamtanstieg steht eine deutliche Spaltung der Märkte. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen um 4% zu, während die Inlandsorders um 3% zurückgingen. Die Zahlen zeigen, dass die Auslandsnachfrage die Hersteller stützt, obwohl deutsche Unternehmen bei Investitionen in Maschinen und Produktionsanlagen weiter zurückhaltend bleiben.
Mehr Auslandsbestellungen schaffen Arbeit für die künftige Produktionsplanung und können die Kapazitätsauslastung verbessern. Ein Auftrag ist jedoch noch kein abgeschlossener Verkauf oder Export. Liefertermine, Finanzierungsbedingungen, Zölle und eine veränderte Kundennachfrage können weiterhin beeinflussen, ob der aktuelle Auftragseingang tatsächlich zu Umsatz und grenzüberschreitenden Lieferungen wird.
Dreimonatszeitraum zeigt stärkeren Zuwachs
Von Mai bis Juli fiel die Verbesserung deutlicher aus. Die gesamten preisbereinigten Bestellungen stiegen gegenüber den entsprechenden drei Vorjahresmonaten um 8%. Starke Orders aus Ländern außerhalb des Euroraums glichen Rückgänge in Deutschland und im übrigen Europa aus und unterstrichen die Bedeutung der Märkte jenseits der Währungsunion.
Für die ersten sieben Monate errechnete der VDMA einen weltweiten Auftragszuwachs von 5%. Die Branche verfügt damit über einen größeren Auftragspolster für die kommende Produktion, doch die regionale Verteilung bleibt unausgewogen. Anbieter mit Zugang zu Märkten außerhalb des Euroraums sind besser positioniert als Unternehmen, die stark von deutschen oder europäischen Investitionsausgaben abhängen.
VDMA führt Inlandsschwäche auf geringe Investitionen zurück
VDMA-Volkswirt Johannes Gernandt bezeichnete die Absatzkrise auf dem Heimatmarkt als weitgehend hausgemacht. In Deutschland werde weiterhin viel zu wenig investiert. Zugleich habe die Bundesregierung ihre angekündigten Reformen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts bislang nicht konsequent umgesetzt.
Die positive Entwicklung der Auslandsbestellungen spiegelt laut Gernandt ein verbessertes Geschäftsklima wider und ist ein erfreuliches Signal für die Branche. Der Rückgang der Inlandsorders um 3% zeigt jedoch, dass deutsche Investitionen die exportgetriebene Verbesserung noch nicht unterstützen. Das begrenzt die Breite der Erholung und macht die Hersteller abhängiger von Entscheidungen ausländischer Kunden.
Zölle, China und Wettbewerb belasten den Ausblick
Die Branche warnt vor mehreren externen Risiken, die eine reibungslose Umwandlung der Aufträge in Exporte verhindern könnten. Der VDMA nennt die unsichere US-Zollpolitik, die schwache Nachfrage in China und den zunehmenden Wettbewerb auf weiteren Weltmärkten. Diese Faktoren beeinflussen Preise, Lieferplanung und die Fähigkeit deutscher Hersteller, Marktanteile zu verteidigen.
Der Maschinenbau unterstützt deshalb weitere Freihandelsabkommen und fordert einen leistungsfähigeren europäischen Binnenmarkt. Ein leichterer Zugang zu ausländischen Kunden könnte die Nachfrage breiter verteilen, während weniger innereuropäische Hürden den regionalen Absatz stärken könnten. Das Auftragsplus von 2% im Juli und 5% in den ersten sieben Monaten belegt Widerstandskraft, doch sie beruht vor allem auf dem Ausland und nicht auf einer Belebung in Deutschland.