Aserbaidschan steigert Gasexporte im ersten Halbjahr auf 12,431 Milliarden Kubikmeter
Aserbaidschan exportierte von Januar bis Juni 12,431 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Wert von 4,105 Milliarden $. Die Menge stieg um 0,5 %, während der Exportwert um 9,6 % sank.
Exportmenge steigt, Erlös sinkt
Aserbaidschan exportierte im Berichtszeitraum Januar bis Juni 12,431 Milliarden Kubikmeter Erdgas in gasförmigem Zustand. Das geht aus Berechnungen von Trend auf Grundlage von Daten des staatlichen Zollkomitees Aserbaidschans hervor. Die Lieferungen hatten einen Wert von 4,105 Milliarden $ und bildeten damit im ersten Halbjahr einen bedeutenden Teil der Warenausfuhren des Landes.
Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Exportmenge um 66 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 0,5 %. Der Exportwert ging dagegen um 437 Millionen $ beziehungsweise 9,6 % zurück. Diese gegenläufige Entwicklung deutet auf einen niedrigeren durchschnittlichen Wert je exportiertem Kubikmeter hin, obwohl Aserbaidschan etwas mehr Gas an ausländische Kunden lieferte. Die Ausgangsdaten enthalten weder eine Aufschlüsselung nach Zielländern noch eine Erklärung dafür, ob Vertragspreise, Marktpreise oder eine veränderte Käuferstruktur den Rückgang verursachten.
Erdgas bleibt zentral für die Handelsbilanz
Der gesamte Außenhandelsumsatz Aserbaidschans erreichte von Januar bis Juni laut dem staatlichen Zollkomitee 24,661 Milliarden $. Nach Berechnungen von Trend waren das 261 Millionen $ beziehungsweise 1,1 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auf die Exporte entfielen 16,32 Milliarden $, auf die Importe 8,341 Milliarden $.
Die Zollzahlen zeigen zudem eine deutliche Verschiebung zwischen beiden Seiten der Handelsbilanz. Der gemeldete Exportwert nahm um 3,442 Milliarden $ beziehungsweise 26,7 % zu, während die Importe um 3,181 Milliarden $ beziehungsweise 27,6 % sanken. Erdgas stützte damit weiterhin Aserbaidschans starke Exportposition, obwohl der Wert der Gaslieferungen entgegen der physischen Menge zurückging. Für Produzenten, Händler und staatliche Einnahmenplaner ist diese Unterscheidung entscheidend: Ein höherer Durchsatz führt bei sinkendem Einheitswert nicht zwangsläufig zu höheren Erlösen.
Europäische Transportkapazität wird ausgebaut
Rund die Hälfte der aserbaidschanischen Gasexporte geht derzeit nach Europa, sagte EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen Dan Jørgensen in einem Interview mit Trend. Damit sind die europäische Nachfrage und verfügbare Pipelinekapazitäten wesentliche Faktoren für Aserbaidschans Exportaussichten. Zugleich erhalten regionale Käufer Zugang zu einer weiteren Bezugsquelle.
Jørgensen zufolge wurde im Januar die erste Erweiterung der Transadriatischen Pipeline abgeschlossen. Sie erhöht die jährliche Kapazität um 1,2 Milliarden Kubikmeter und soll 2026 zusätzliche Lieferungen an den europäischen Markt ermöglichen. Die Pipeline ist der europäische Abschnitt des Südlichen Gaskorridors und transportiert aserbaidschanisches Gas in Richtung Italien, Griechenland und Bulgarien. Nach Angaben des Kommissars brachten die Exporte über diese Route in die drei Länder vom Beginn der kommerziellen Lieferungen bis 2024 rund 24 Milliarden € ein. Die zusätzliche Kapazität schafft Raum für höhere Gasflüsse. Die Halbjahreszahlen zeigen jedoch, dass künftige Einnahmen sowohl von den Liefermengen als auch vom erzielten Wert je Kubikmeter abhängen.