Armenische Bauern blockieren Fernstraße wegen stockender Tomatenverkäufe nach Russland
Landwirte in der armenischen Region Ararat blockierten zeitweise die Fernstraße Jerewan–Jerasch, nachdem der Absatz von Tomaten nach Russland gestört worden war. Verarbeiter lehnen die lokale Ernte ab, weil sie am Export ihrer Fertigprodukte zweifeln, wodurch ein Überangebot im Inland entstanden ist.
Erzeuger finden keine Käufer für ihre Ernte
Landwirte in der südwestarmenischen Region Ararat blockierten vorübergehend die international bedeutende Fernstraße Jerewan–Jerasch. Sie forderten staatliche Hilfe bei den Absatzproblemen für ihre Tomatenernte. Der Protest folgte auf Störungen der Lieferungen nach Russland, einem wichtigen Markt für armenische Agrarprodukte.
Teilnehmer erklärten gegenüber NEWS.am laut einem Bericht von NTV, einige armenische Produzenten könnten ihre Waren nicht mehr nach Russland liefern. Daraufhin hätten Verarbeitungsbetriebe den Ankauf lokal erzeugter Tomaten eingestellt, weil unklar sei, ob sie die daraus hergestellten Produkte exportieren könnten. Der Ausfall des Auslandsabsatzes und der Nachfrage der Verarbeiter führte zu einem Überangebot auf dem armenischen Binnenmarkt.
Der Landwirt Artak Harutyunyan berichtete, er habe 60 Tonnen für Fabriken bestimmte Tomaten und wisse nicht, was er damit tun solle. Nach seiner Darstellung sehen die Verarbeiter keinen wirtschaftlichen Sinn im Einkauf, wenn sie ihre Erzeugnisse anschließend nicht exportieren können. Der Fall zeigt, wie schnell Erzeuger verderblicher Ware unter Druck geraten, sobald industrielle Abnehmer ihre Beschaffung stoppen.
Beschränkungen betreffen weitere Waren
Die Störung setzte ein, nachdem die russische Veterinär- und Pflanzenschutzaufsicht Rosselkhoznadzor im Mai und Juni die Einfuhr mehrerer Kategorien armenischer Waren wegen festgestellter Verstöße beschränkt hatte. NTV zufolge waren Gemüse, Obst, Alkohol, Fisch und Mineralwasser betroffen.
Die Folgen reichen über direkte Lieferungen frischer Tomaten hinaus. Armenische Verarbeiter berücksichtigen den Zugang zu Exportmärkten, wenn sie über den Ankauf landwirtschaftlicher Rohstoffe entscheiden. Können Fabriken ihre Fertigprodukte im Ausland nicht verlässlich verkaufen, sinkt ihr Interesse an Tomaten von lokalen Betrieben. Während der Ernte wird der Druck damit an die vorgelagerten Glieder der Lieferkette weitergegeben.
Für die Landwirte ist das inländische Überangebot besonders problematisch, weil Tomaten während Verhandlungen über den Marktzugang nicht unbegrenzt gelagert werden können. Wenn Verarbeiter aussteigen und ein Teil der Exporteure den russischen Absatzkanal nicht nutzen kann, fehlen Abnehmer für bereits geerntete oder bald reife Mengen. In den vorliegenden Berichten wurden weder ein Ersatzmarkt noch ein Ankauf- oder Entschädigungsmodell genannt.
Straße nach Polizeiverhandlungen wieder geöffnet
Die Demonstranten erinnerten daran, dass Armeniens Wirtschaftsminister Gevorg Papoyan zuvor eine Lösung für die Absatzprobleme bei Gurken und Tomaten zugesagt habe. Nach ihrer Einschätzung habe sich die Lage jedoch nicht geändert. Die Aktion fand auf der international bedeutsamen Straße Jerewan–Jerasch statt, die auch in Richtung Iran führt.
Nach Verhandlungen mit der Polizei erklärten sich die Bauern bereit, die Straße freizugeben. Sie drohten jedoch mit radikaleren Maßnahmen, falls die Behörden keine Lösung finden. Welche Schritte damit gemeint waren und wann die Regierung eingreifen könnte, ging aus den Berichten nicht hervor.
Produzenten, Verarbeiter und Exporteure warten nun auf Klarheit über den Zugang zum russischen Markt. Solange Fabriken keinen tragfähigen Absatzweg für ihre Produkte erkennen, dürfte eine Wiederaufnahme der lokalen Beschaffung schwierig bleiben. Für die Tomatenbauern in Ararat entscheidet sich, ob sie Käufer finden, bevor ihre Ernte ihren Handelswert verliert.