Argentinien eröffnet Attaché-Büro in Hanoi, um die Führung bei Sojaschrot in Vietnam zu sichern
Argentinien hat in Hanoi ein agrarindustrielles Attaché-Büro eröffnet, eines von weltweit nur sechs, um seine Stellung als wichtigster Sojaschrot-Lieferant Vietnams zu sichern. Vietnam ist inzwischen der größte Abnehmer argentinischen Sojaschrots vor Malaysia und Indonesien und kaufte 2025 Produkte der Sojakette für 1,6 Milliarden US-Dollar. Die Sojakette erlöste 21,44 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 9,2 Prozent.
Argentinien hat in Hanoi ein eigenes agrarindustrielles Attaché-Büro eingerichtet, um seine Stellung als wichtigster Sojaschrot-Lieferant Vietnams zu verteidigen und den Markt für weitere argentinische Agrargüter zu öffnen. Das erklärten Vertreter der argentinischen Sojabranche auf einer Pressekonferenz am 23. September in Buenos Aires.
Die vietnamesische Nachrichtenagentur VNA berichtete aus Buenos Aires, das Büro sei im Juli 2025 eröffnet worden. Ricardo Marra, Präsident der Getreidebörse von Buenos Aires, sagte, er sei gemeinsam mit Vertretern der argentinischen Landwirtschaftsbehörde zur Eröffnung nach Vietnam gereist. Vietnam ist eines von nur sechs Ländern weltweit, in denen Argentinien eine eigene Agrarvertretung unterhält.
Vietnam führt die Kundenliste beim Sojaschrot an
Rodolfo Rossi, Präsident des argentinischen Sojaverbands ACSoja, sagte, Südostasien entwickle sich zu einem der großen Verbrauchszentren der Welt. Vietnam sei inzwischen der größte Importeur argentinischen Sojaschrots, vor regionalen Abnehmern wie Malaysia und Indonesien.
Nach Angaben von Marra ist Vietnam zum wichtigsten Kunden für mehrere argentinische Agrarprodukte geworden, vor allem für Sojaschrot und Mais. Vietnamesische Importeure verfolgten den Markt sehr genau und nutzten täglich Notierungen direkt von der Getreidebörse von Buenos Aires. Das Büro in Hanoi solle nicht nur den Sojaschrot-Handel stützen, sondern auch Lieferungen weiterer argentinischer Waren erleichtern, darunter Fleisch.
Ein Exportkomplex von 21,44 Milliarden US-Dollar
Nach den auf der Konferenz vorgelegten Handelsdaten war die Sojawertschöpfungskette 2025 die größte Devisenquelle der argentinischen Landwirtschaft: rund 21,44 Milliarden US-Dollar, 9,2 Prozent mehr als 2024 und 24,6 Prozent der gesamten Warenausfuhren des Landes. Die Aufteilung:
- Sojaschrot und -kuchen: 8,57 Milliarden US-Dollar
- Sojaöl: 7,22 Milliarden US-Dollar
- Sojabohnen: 4,92 Milliarden US-Dollar
- Wichtigste Abnehmer: China 4,79 Milliarden, Indien 3,72 Milliarden, Vietnam 1,6 Milliarden US-Dollar
Bei Sojaöl liegt Argentinien mit einem Weltmarktanteil von 48,3 Prozent im Jahr 2024 auf Platz eins, bei Sojaschrot mit 21,7 Prozent hinter Brasilien auf Platz zwei. Bei unverarbeiteten Sojabohnen reicht es nur für Rang fünf mit 2,3 Prozent der weltweiten Ausfuhren — Ausdruck einer Branche, die auf der Verarbeitung im Inland aufbaut.
Handelsströme verschieben sich von Europa nach Südostasien
Ricardo Bergmann, Vizepräsident von ACSoja, sagte, argentinisches Sojaschrot sei früher vor allem nach Europa gegangen. Neue Handelsabkommen und globale Trends hätten den Schwerpunkt nach Südostasien verschoben. Vietnam sei zum Kernkunden geworden und kaufe große Mengen für Tierhaltung und Lebensmittelindustrie.
Auf die Frage, was die Auswahl Vietnams für eines der sechs Büros bedeute, verwies Bergmann auf Wachstum und Kaufkraft der südostasiatischen Volkswirtschaft. Argentiniens Stärke beruhe auf der Agrarproduktion — Soja, Mais, Weizen und Rindfleisch —, und Auslandsvertretungen seien die direkte Brücke zwischen dieser Produktion und den Märkten mit Nachfrage.
Rosario richtet die WSRC12 im April 2027 aus
Auf derselben Pressekonferenz wurde bestätigt, dass Argentinien im April 2027 die 12. Weltkonferenz für Sojaforschung (WSRC12) in Rosario ausrichtet, einem der wichtigsten agrarindustriellen und exportorientierten Zentren des Landes, bekannt für Soja, Mais, Pflanzenöle und Verarbeitungsprodukte. Die Ankündigung erfolgte gemeinsam mit der Führung der Getreidebörse von Buenos Aires und von ACSoja, im Beisein von Journalisten aus Ländern mit zentralen Agrarbeziehungen zu Argentinien.
Für vietnamesische Käufer bedeutet das Büro einen festen Ansprechpartner bei argentinischen Lieferanten und Behörden vor Ort statt über Drittmärkte. Für Argentinien geht es darum, eine Position in einem Handelsstrom zu sichern, der bereits von Europa nach Asien gewandert ist, und die Sojaschrot-Mengen als Einstieg für Mais, Weizen und Rindfleisch zu nutzen.