Apuliens Traubenbauern fordern gleiche Importregeln bei niedrigen Erzeugerpreisen
Auf Apulien entfallen mehr als 53 % der italienischen Anbaufläche für Tafeltrauben; 2025 exportierte die Region Trauben für knapp 1 Milliarde €. Coldiretti Puglia fordert gleichwertige Standards für Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern, während die Erzeugerpreise auf 0,30–0,40 € je Kilogramm sinken.
Apuliens Exportstärke trifft auf Preisdruck im Inland
Apuliens Tafeltraubenbranche fordert gleichwertige Standards für Importe aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Niedrige Erzeugerpreise und Verkaufsaktionen des Einzelhandels setzen die Margen der Betriebe unter Druck. Nach Angaben von Coldiretti Puglia werden in der Region rund 25.000 Hektar Tafeltrauben angebaut. Italienweit sind es etwa 47.000 Hektar, womit Apulien einen Anteil von mehr als 53 % erreicht.
Der Verband brachte das Thema bei einer von den regionalen Agrarbehörden einberufenen Sitzung zur Tafeltraubenwirtschaft vor. Er verlangt keinen Importstopp. Produkte, die in der EU verkauft werden, sollen jedoch Bedingungen erfüllen, die den Vorgaben für europäische Erzeuger bei Lebensmittelsicherheit, Pflanzenschutzmitteln, Arbeit, Umwelt und Rückverfolgbarkeit entsprechen. Corriere Salentino, Puglia Press und BariToday berichteten über die Position des Verbandes.
Fast 1 Milliarde € Exportwert, aber geringe Erlöse im Anbau
Apulien bleibt Italiens wichtigstes Produktionszentrum für Tafeltrauben. Investitionen in neue Anlagen, Bewässerung, Qualität und die Erneuerung des Sortenspektrums haben eine spezialisierte Wertschöpfungskette geschaffen. Kernlose Trauben gewinnen an Bedeutung, da sie der Nachfrage von Verbrauchern und internationalen Abnehmern entsprechen. Coldiretti begrüßte ihre Aufnahme in die Spezifikation der geschützten geografischen Angabe Uva di Puglia. Dies soll die regionale Innovationsleistung und Herkunft besser sichtbar machen.
Die Branche ist stark auf internationale Märkte ausgerichtet. Der Exportwert apulischer Tafeltrauben lag 2025 laut den von Coldiretti genannten und von den drei Medien veröffentlichten Zahlen bei knapp 1 Milliarde €. Am 3. Oktober soll eine neue Logistikverbindung starten: Dann ist der erste Frachtflug von Grottaglie nach Istanbul vorgesehen. Die Route soll den Zugang zu internationalen Absatzmärkten erweitern.
Die Exportleistung schützt die Betriebe jedoch nicht vor dem Ertragsdruck in Italien. Laut Coldiretti kann der Preis ab Hof auf 0,30–0,40 € je Kilogramm fallen, während Supermärkte die Ware für 0,99 € je Kilogramm anbieten. Eine Kiste mit 2,5 Kilogramm kostet den Verbraucher bei diesem Aktionspreis 2,475 €. Zwischen Betrieb und Verkaufsregal fallen Kosten für Ernte, Verpackung, Karton, Abdeckung, Etikettierung, Transport, Paletten, Umreifung, Logistik, Jahresendgebühren und Mehrwertsteuer an.
Mehr Preistransparenz und Verträge für die Lieferkette gefordert
Coldiretti warnt davor, die Kosten von Verkaufsaktionen auf die Erzeuger abzuwälzen, zumal deren Ausgaben für Arbeit, Energie, Material und Logistik bereits gestiegen sind. Der Verband fordert eine transparentere Preisbildung, eine konsequentere Bekämpfung unlauterer Handelspraktiken und Verträge entlang der Lieferkette. Diese sollen berechenbarere Geschäftsbeziehungen und eine gerechtere Verteilung der Erlöse ermöglichen.
Zudem schlägt der Verband ein Sortenregister für Tafeltrauben vor. Eine solche Datenbank würde Anbauflächen, Sorten und Produktionspotenzial erfassen und Erzeugern wie Käufern eine bessere Planungsgrundlage liefern. Die Informationen könnten wichtiger werden, wenn Betriebe traditionelle Sorten durch kernlose Trauben ersetzen und das Angebot an die Entwicklung der inländischen und internationalen Nachfrage anpassen.
Gegenseitigkeit wird zur zentralen politischen Forderung
Apuliens Erzeuger stehen unter doppeltem Wettbewerbsdruck. Im Inland müssen sie EU-Vorgaben erfüllen und zugleich mit Ware aus Nicht-EU-Ländern konkurrieren; im Ausland müssen sie Qualität und Lieferfähigkeit sichern. Die von Coldiretti geforderte Gegenseitigkeit zielt deshalb auf vergleichbare Produktionsstandards und nicht auf Handelsbeschränkungen. Die Entscheidung ist für Betriebe relevant, die weitere Investitionen in Sorten, Bewässerung und Logistik prüfen. Sie betrifft auch Händler und Importeure, die Preis, Verfügbarkeit und Regelkonformität miteinander vereinbaren müssen.