Alkoholverkäufe in Russlands Gastronomie sinken im ersten Halbjahr 2026 um 42,4 %
Die Alkoholverkäufe im russischen HoReCa-Sektor ohne Bier und ähnliche Getränke sanken von Januar bis Juni 2026 um 42,4 % auf 818.300 Dekaliter. Wein verzeichnete den stärksten Rückgang, während der Absatz im Einzelhandel nahezu stabil blieb.
HoReCa verliert Volumen, der Einzelhandel bleibt stabil
Der Verkauf alkoholischer Getränke im russischen Hotel-, Restaurant- und Cateringsektor sank von Januar bis Juni 2026 um 42,4 % gegenüber dem Vorjahr auf 818.300 Dekaliter. Das geht aus Berechnungen von Alkoholmarktteilnehmern hervor, die Kommersant einsehen konnte. Bier, Cider, Met und verwandte Produkte sind darin nicht enthalten. Das Ausmaß des Rückgangs spricht vor allem für einen Einbruch des Konsums in der Gastronomie und nicht für einen ebenso starken allgemeinen Rückzug der Verbraucher vom Alkohol.
Der Absatz im Einzelhandel zeigte sich wesentlich stabiler. In Geschäften gingen die Alkoholverkäufe im selben Zeitraum lediglich um 0,65 % auf 96,7 Millionen Dekaliter zurück. Die Differenz deutet darauf hin, dass Verbraucher Ausgaben in Restaurants und Bars mit ihren erheblichen Serviceaufschlägen reduzieren, während sie weiterhin Getränke für den Konsum zu Hause kaufen.
Wein verzeichnet den stärksten Rückgang
Unter den ausgewiesenen Kategorien traf es Weinprodukte am stärksten. Laut den von Kommersant zitierten Marktberechnungen fiel der Weinabsatz im HoReCa-Sektor um 44,8 % auf 361.000 Dekaliter. Der Verkauf von Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 9 % sank um 39,78 % auf 447.300 Dekaliter. Damit erfasste die Schwäche sowohl Wein als auch höherprozentige alkoholische Getränke.
Die Zahlen haben direkte Folgen für Weingüter, Spirituosenhersteller, Distributoren und Gastronomielieferanten. Ein anhaltender Rückgang der Bestellungen schwächt einen Vertriebskanal, der für Premiummarken und Produkte, die Verbraucher über Weinkarten und Barmenüs kennenlernen, besonders wichtig ist. Stabile Einzelhandelsmengen können eine Alternative bieten, doch Wettbewerb, Preisbildung und Positionierung unterscheiden sich dort grundlegend von der HoReCa-Distribution.
Weniger Besuche und höhere Rechnungen belasten Restaurants
Nach Angaben des Fiskaldatenanbieters Platforma OFD sank die Zahl der Restaurant- und Barbelege im ersten Halbjahr landesweit um 4 %, in Moskau um 11 %. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Rechnung in Russland um 8 % auf 3.200 Rubel und in Moskau um 6 % auf 4.500 Rubel. Der Alkoholanteil an der Restaurantrechnung fiel landesweit um 4 Prozentpunkte auf 37 % und in Moskau um 5 Prozentpunkte auf 32 %.
Frühere Daten bestätigen den Druck auf die Besucherzahlen. Von Januar bis März 2026 sank die Zahl der Restaurant- und Barbelege landesweit um 3 %, in Moskau um 12 % und in St. Petersburg um 8 %, wie der Dienst Chek Index von Platforma OFD meldete. Kommersant zufolge trug dies zu einer Schließungswelle in Millionenstädten bei, wo die Gesamtzahl der Betriebe um 2–11 % zurückging. Als wesentliche Ursachen nannte die Zeitung die schwächere Konsumaktivität und die seit Sommer 2025 sinkenden realen Haushaltseinkommen; zugleich zwingt der weitere Preisanstieg die Verbraucher, freiwillige Ausgaben zu kürzen. Für Produzenten und Distributoren macht die Spaltung zwischen stabilem Einzelhandel und einbrechender Gastronomie die Kanalstrategie wichtiger: Die Nachfrage verschwindet nicht im gesamten Markt gleich schnell, sondern verlagert sich auf günstigere Konsumsituationen.