Algerischer Verarbeiter plant drei Cashewfabriken in Tansania
Der algerische Cashewverarbeiter Anacard'Or plant drei Fabriken in Tansania, beginnend mit einem Werk in Masasi. Das Vorhaben unterstützt das Ziel des Landes, bis 2030 mindestens 60 % seiner Cashewproduktion im Inland zu verarbeiten.
Erstes Werk für Masasi geplant
Der algerische Cashewverarbeiter Anacard'Or plant drei moderne Verarbeitungsbetriebe in Tansania. Die private Investition soll das Land dabei unterstützen, weniger rohe Nüsse in der Schale auszuführen und mehr Wertschöpfung im Inland zu halten. Die tansanische Botschaft in Algier gab das Vorhaben am 20. August bekannt, wie Ecofin Agency berichtet.
Die erste angekündigte Fabrik soll in Masasi in der südlichen Region Mtwara entstehen, einem der wichtigsten Cashewanbaugebiete Tansanias. Laut Anacard'Or-Geschäftsführer Walid Dib wird das Projekt gemeinsam mit einem lokalen Partner über die neu gegründete Kilimanjaro Nuts Limited umgesetzt. Zur Investitionssumme und zur Kapazität der drei Anlagen liegen noch keine Angaben vor.
Der erste Zeitplan sieht vor, Lagerhäuser in Masasi herzurichten und im September Verarbeitungsanlagen in Vietnam zu bestellen. Die Ausrüstung soll ab Januar 2027 in Tansania eintreffen. Fachleute sollen gemeinsam mit den Maschinen anreisen und einheimische Beschäftigte schulen. Damit umfasst das Projekt neben industrieller Kapazität auch den Aufbau technischer Fähigkeiten.
Tansania will mehr verarbeitete Ware exportieren
Das Vorhaben entspricht der Regierungspolitik, die Verarbeitung im Inland auszubauen und den Anteil höherwertiger Cashewprodukte an den Ausfuhren zu steigern. Dodoma will den Verkauf roher Nüsse in der Schale verringern, durch den ein großer Teil der Verarbeitungsmarge in Auslandsmärkten verbleibt. Alfred Francis, Generaldirektor des Tanzania Cashew Board, erklärte Ecofin Agency im März, die Regierung arbeite an besseren Bedingungen für private Verarbeiter.
Das Tanzania Cashew Board will bis 2030 mindestens 60 % der nationalen Cashewproduktion im Inland verarbeiten lassen. Der Abstand zu diesem Ziel ist groß. Nach vorläufigen Schätzungen des unabhängigen Handelsberaters N'kalô verarbeitete Tansania 2025 rund 20.000 Tonnen, während die Ernte in der Saison 2024/2025 bei knapp 528.000 Tonnen lag. Die vorhandenen Anlagen nahmen damit nur einen kleinen Teil des verfügbaren Rohstoffs auf.
Dodoma setzt außerdem auf agroindustrielle Parks, um den Kapazitätsaufbau zu beschleunigen. In Maranje in der Region Mtwara entsteht seit 2023 mit Unterstützung von Arise ein auf Cashews ausgerichteter Industriepark. Langfristig sollen dort Verarbeitungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von 600.000 Tonnen angesiedelt werden. Die Werke von Anacard'Or wären somit Teil eines breiteren Industrieausbaus und keine alleinige Lösung für das Kapazitätsdefizit.
Wachsende Ernten erhöhen den Kapazitätsdruck
Die Rohstoffverfügbarkeit verliert als Engpass an Bedeutung, weil Tansanias Cashewproduktion kräftig wächst. Von Ecofin Agency zitierte amtliche Daten zeigen einen Anstieg der Ernte von 155.244 Tonnen in der Saison 2015/2016 auf 617.683 Tonnen in der Saison 2025/2026. Das Tanzania Cashew Board strebt in der nächsten Saison 750.000 Tonnen und bis 2030 eine Million Tonnen an. Fabriken, Lager und qualifizierte Arbeitskräfte müssen deshalb in vergleichbarem Tempo aufgebaut werden.
Mehr Verarbeitung im Inland könnte Bauern und lokalen Unternehmen einen größeren Anteil am höherwertigen Markt für Cashewkerne sichern und die Abhängigkeit von Rohwarekäufern und ausländischen Verarbeitern senken. Ohne Angaben zu Kapazität, Finanzierung und Inbetriebnahme lässt sich der Beitrag von Anacard'Or jedoch noch nicht beziffern. Die ab Januar 2027 erwarteten Anlagenlieferungen werden ein erster Test für die Umsetzung. Entscheidend wird sein, ob die drei Werke und weitere Projekte schnell genug wachsen, um eine Ernte aufzunehmen, die sich dem Regierungsziel von einer Million Tonnen nähert.