Algerien schreibt 50.000 Tonnen Weichweizen zur November-Verschiffung aus
Das algerische Getreideamt OAIC hat eine internationale Ausschreibung über nominal 50.000 Tonnen Mahlweizen flexibler Herkunft eröffnet. Seit Anfang 2026 importierte das Land bereits rund 3 Millionen Tonnen Weichweizen, da die heimische Erzeugung stärker auf Hartweizen ausgerichtet ist.
OAIC kehrt an den internationalen Weizenmarkt zurück
Das algerische Getreideamt OAIC hat eine internationale Ausschreibung über nominal 50.000 Tonnen Weichweizen für die Mehlherstellung eröffnet, wie TSA Algérie und Awras unter Berufung auf Reuters berichten. Die Herkunft ist flexibel, sodass der staatliche Käufer Angebote aus Europa und anderen wichtigen Exportregionen prüfen kann.
Die Angebotsfrist endet am Dienstag, 15. September; die Preise müssen bis Mittwoch, 16. September, gültig bleiben. Obwohl 50.000 Tonnen ausgeschrieben sind, kauft Algerien laut europäischen Händlern häufig deutlich mehr als die genannte Nominalmenge. Das tatsächliche Volumen dürfte daher von der Wettbewerbsfähigkeit der Angebote abhängen.
Zwei Verschiffungsfenster im November
Für Ware aus den wichtigsten Beschaffungsregionen einschließlich Europa verlangt OAIC die Verschiffung entweder vom 1. bis 15. November oder vom 16. bis 30. November. Weizen aus Südamerika, Indien oder Australien muss wegen der längeren Fahrt zu algerischen Häfen einen Monat früher verladen werden.
Die Ausschreibung lässt mehrere Ursprünge ohne bevorzugtes Lieferland gegeneinander antreten. Frachtraten, verfügbare Exportmengen und die Preise für beide Zeitfenster werden über die Wettbewerbsposition entscheiden. Europäische Anbieter profitieren von der kürzeren Entfernung; weiter entfernte Lieferanten müssen ihre Logistikkosten durch günstigere Getreidepreise ausgleichen.
Defizit bei Weichweizen bleibt bestehen
Nach Angaben von TSA Algérie hat Algerien seit Anfang 2026 bereits 3 Millionen Tonnen Weichweizen importiert, darunter 670.000 Tonnen Anfang August. Awras nennt für das Augustgeschäft abweichende Zahlen: zunächst rund 720.000 Tonnen und später eine Händlerschätzung von etwa 540.000 Tonnen. Beide Berichte führen die wiederholten Käufe auf den Versorgungsbedarf der Mühlen zurück.
TSA Algérie zufolge könnte Algeriens gesamte Getreideernte in diesem Jahr den Rekordwert von 5 Millionen Tonnen erreichen. Das Land erzeugt jedoch mehr Hartweizen als Weichweizen. Awras erwartet eine Hartweizenproduktion von mehr als 2,4 Millionen Tonnen bei einem nationalen Bedarf von rund 900.000 Tonnen. Daraus könnte ein exportfähiger Überschuss von knapp 1,5 Millionen Tonnen entstehen.
Mehl- und Brotnachfrage stützt Importe
Die besseren Aussichten für Hartweizen und Gerste beseitigen die Importabhängigkeit bei Weichweizen nicht. Ghani Ben Ali, Vorsitzender des Branchenrats für Getreide, bezifferte den inländischen Verbrauch laut Awras auf jährlich 5 Millionen bis 7 Millionen Tonnen. Bei heimischem Saatgut wurden Fortschritte erzielt, doch Selbstversorgung besteht noch nicht.
Weichweizen ist in Algerien ein wichtiges Grundnahrungsmittel, weil er zu Mehl und staatlich subventioniertem Brot verarbeitet wird. Eine stabile Belieferung der Mühlen bleibt deshalb politisch vorrangig. Die Ausschreibung zeigt, dass eine starke gesamte Getreideernte mit hohem Importbedarf einhergehen kann, wenn Erzeugung und Verbrauch auf unterschiedliche Weizenklassen entfallen.