Algerien kauft trotz außergewöhnlicher Getreideernte weiter Weichweizen
Algeriens Getreideagentur OAIC hat trotz einer historisch hohen Ernte 720.000 Tonnen Weichweizen gekauft. Der nationale Getreidebedarf liegt bei mehr als 12 Millionen Tonnen, während die heimische Produktion von Niederschlägen, Kosten und Lagerkapazitäten abhängt.
OAIC kauft 720.000 Tonnen Weichweizen
Algeriens staatliche Getreideagentur OAIC hat trotz der erwarteten außergewöhnlichen Inlandsernte 720.000 Tonnen Weichweizen gekauft, berichtete TSA Algérie. Das Geschäft verdeutlicht die anhaltende Lücke zwischen dem lokalen Angebot und dem nationalen Getreidebedarf von mehr als 12 Millionen Tonnen.
Weichweizen wird vor allem zu Mehl für Brot verarbeitet. Deshalb bleibt Algerien selbst in einem guten Erntejahr auf ausländische Lieferungen angewiesen. Endgültige Produktionszahlen werden nach dem 10. August, dem offiziellen Ende der Ernte, erwartet. Neue CCLS-Sammelstellen übermitteln ihre Annahmemengen direkt an OAIC.
Hartweizen könnte die Importrechnung senken
Innenminister Saïd Sayoud hat für dieses Jahr eine historische Getreideernte von insgesamt 5 Millionen Tonnen gemeldet. Das USDA erwartet separat 3,2 Millionen Tonnen Weizen, 7% mehr als 2025. Hinzu kommen 1,35 Millionen Tonnen Gerste, ein Plus von 13%, sowie unverändert 12.000 Tonnen Mais.
Bei Hartweizen könnte Algerien bereits in diesem Jahr Selbstversorgung erreichen. Die traditionell wichtige Kultur dient zur Herstellung von Grieß und kostet am Weltmarkt durchschnittlich das Eineinhalbfache von Weichweizen. Präsident Abdelmadjid Tebboune bezifferte die mögliche Ersparnis durch den Wegfall dieser Importe auf mehr als 1,5 Milliarden $.
Die hohe Ernte folgte auf reichliche und gut verteilte Niederschläge. Besonders der Herbstregen war entscheidend und ermöglichte eine Verlängerung der Aussaat bis in den Dezember. Staatliche Hilfen für zertifiziertes Saatgut, Dünger, Maschinen, Kraftstoff und Saisonkredite trugen ebenfalls bei. Umschuldungen halfen dürregeschädigten Betrieben im Westen bei der Bestellung ihrer Flächen.
Lagerung, Erträge und Kosten bleiben Engpässe
Die Regierung erweitert die Annahme- und Lagerinfrastruktur im Rahmen eines im Dezember 2023 beschlossenen Programms. Vorgesehen sind 350 Sammelstellen. In Mascara sollen neun von Cosider errichtete Betonzellen eine Million Doppelzentner Weizen aufnehmen. Lkw- und Erntemaschinenkonvois verbessern zugleich die Logistik im Süden.
Die Agrardienste streben Erträge von 20–30 Doppelzentnern je Hektar in den nördlichen Provinzen und 60–70 Doppelzentnern im Süden an. Diese Werte dauerhaft zu erreichen, bleibt wegen unregelmäßiger Niederschläge, gestörter Anbauzyklen, geschädigter Ökosysteme und abnehmender landwirtschaftlicher Biodiversität schwierig, erklärte Tarik Hartani, Direktor der Nationalen Hochschule für Agronomie.
Auch die Margen der Betriebe stehen unter Druck. Private Dienstleister berechnen für die Ernte 7.000 DA je Hektar, die CCLS dagegen 6.000 DA. Stroh kostet inzwischen 50–60 DA je Ballen, nach 20 DA im Juni. Dadurch wird es verkauft, statt zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit zerkleinert und eingearbeitet zu werden.
Mehr Nutzfläche und heimische Technologie
Ein 2023 vorgelegter Strategieplan sieht vor, binnen zehn Jahren fast 2,5 Millionen Hektar Brachland für den Anbau verschiedener Kulturen einschließlich Getreide nutzbar zu machen. Ein Teil der algerischen Getreideflächen liegt derzeit jedes zweite Jahr brach und dient als Schafweide. Damit konkurrieren Getreideanbau und Viehhaltung um dieselben Flächen.
Ein weiterer Ansatz ist die Forschung. Hartani meldete die offizielle Registrierung von sechs algerischen Getreidesorten, darunter drei Hartweizen- und drei Gerstensorten. Neue Sorten, ein besserer Zugang zu Maschinen, konservierende Verfahren und eine effizientere Organisation können die Produktion stabilisieren. Der jüngste Weichweizenkauf zeigt jedoch, dass eine günstige Ernte Algeriens dauerhaftes Defizit bei Brotweizen noch nicht beseitigt.