Algerien kauft rund 500.000 Tonnen Mahlweizen zu 319 bis 321 US-Dollar je Tonne
Die staatliche algerische Getreidebehörde OAIC hat in einer am 15. September geschlossenen internationalen Ausschreibung rund 500.000 Tonnen Weichweizen gekauft, zu geschätzt 319 bis 321 US-Dollar je Tonne inklusive Fracht. Das sind rund 30 US-Dollar mehr als bei der Ausschreibung vom 5. August. Händler erwarten die Ware vor allem aus Rumänien und Bulgarien.
Die staatliche algerische Getreidebehörde Office algérien interprofessionnel des céréales (OAIC) hat in einer am Dienstag, dem 15. September, geschlossenen internationalen Ausschreibung rund 500.000 Tonnen Mahlweizen gekauft. Das berichteten europäische Händler gegenüber Reuters. Der Kaufpreis wird zunächst auf 319 bis 321 US-Dollar je Tonne inklusive Kosten und Fracht (C&F) geschätzt.
Erste Mengenschätzungen reichen von 500.000 bis 510.000 Tonnen, einzelne Händler nennen höhere Werte. Reuters weist darauf hin, dass die Angaben auf Händlerschätzungen beruhen und sich Mengen und Preise mit der Bestätigung einzelner Geschäfte noch ändern können.
Preis rund 30 US-Dollar je Tonne über August
Für den algerischen Käufer ist die Ausschreibung deutlich teurer ausgefallen als die vorherige. Bei der Weichweizenausschreibung am 5. August kaufte die OAIC laut den von Reuters zitierten Händlerschätzungen bis zu 720.000 Tonnen zu geschätzt 289 bis 290 US-Dollar je Tonne C&F. Awras verwies darauf, dass spätere Schätzungen für August eine tatsächliche Menge von eher 540.000 Tonnen nahelegten.
Die Differenz von rund 30 US-Dollar je Tonne innerhalb von sechs Wochen spiegelt das schrumpfende Angebot an günstiger Ware wider, nicht eine geänderte Einkaufspolitik Algeriens. Bei 500.000 Tonnen erhöht allein dieser Unterschied die Importrechnung um etwa 15 Millionen US-Dollar.
Störungen am Schwarzen Meer verschieben die Herkünfte
Die Ausschreibung ließ die Herkunft offen. Händler erwarten den Großteil der Ladungen aus Rumänien und Bulgarien, daneben kommen nördliche EU-Staaten einschließlich der baltischen Länder infrage. Einzelne Marktteilnehmer halten auch russischen Weizen über die Ostseeregion für möglich.
Reuters zufolge fällt die Ausschreibung in eine schwierige Phase für Importeure: Die Kampfhandlungen haben die seewärtigen Exporte von günstigem russischem und ukrainischem Weizen über das Schwarze Meer nahezu zum Erliegen gebracht. Französischer Weizen fehlt angesichts der politischen Spannungen zwischen Algier und Paris in den jüngsten algerischen Ausschreibungen, womit einer der traditionellen Lieferanten des Landes aus dem Wettbewerb fällt.
Für die wichtigsten Lieferregionen, darunter Europa, wurden zwei Verschiffungszeiträume festgelegt:
- 1. bis 15. November für die erste Tranche;
- 16. bis 30. November für die zweite;
- einen Monat früher für Ladungen aus Südamerika, Indien oder Australien.
In der Summe verengt sich der Kreis wettbewerbsfähiger Verkäufer auf wenige Donau- und Ostseeherkünfte, während die Verladefenster im November knapp sind. Für Exporteure in Rumänien und Bulgarien ist die Ausschreibung ein festes Nachfragesignal in der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahres; für russische Verkäufer bietet die Ostseeroute einen indirekten Zugang zu einem Markt, der historisch über das Schwarze Meer bedient wurde.
Gute Inlandsernte schließt die Weichweizenlücke nicht
Algerien kauft vor dem Hintergrund einer starken heimischen Saison ein. Laut Awras rechnet das Land für 2026 mit einem außergewöhnlichen Getreidejahr und hohen Erträgen bei Hartweizen und Gerste. Die Hartweizenproduktion wird auf mehr als 2,4 Millionen Tonnen geschätzt, bei einem nationalen Bedarf von rund 900.000 Tonnen, woraus sich ein Überschuss von etwa 1,5 Millionen Tonnen ergibt.
Ghani Ben Ali, Vorsitzender des Branchenverbands für Getreide, führt die Verbesserung auf günstigere Witterung und Niederschläge sowie auf die Arbeit der Landwirte und staatliche Unterstützung zurück, die Saatgut, Dünger und Technik, Finanzierung und landwirtschaftliche Versicherungen umfasst.
Beim Weichweizen gilt das nicht: Hier hat Algerien keine Selbstversorgung erreicht und deckt den Bedarf seiner Mühlen weiterhin über internationale Ausschreibungen. Ein Bulletin der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen vom 30. Juni beziffert Algeriens Getreideimporte im Wirtschaftsjahr 2026/27 auf 14,5 Millionen Tonnen, darunter 8,5 Millionen Tonnen Weizen und 5 Millionen Tonnen Mais.
Bei diesen Mengen bleibt Algerien einer der Referenzkäufer im mediterranen Weizenhandel, und sein Ausschreibungskalender setzt europäischen Exporteuren bis in den Herbst hinein eine Preismarke.