Ägypten verhandelt über Beteiligung am türkischen Kampfjet-Programm KAAN
Ankara und Kairo prüfen eine ägyptische Beteiligung am türkischen Kampfjet-Programm KAAN der fünften Generation sowie damit verbundene Optionen der gemeinsamen Fertigung, berichtet das US-Medium Al-Monitor. Die Gespräche fallen mit der 2. Internationalen Luftfahrtmesse El Alamein zusammen, auf der TUSAŞ, ASELSAN und MKE ausstellen. Vertrag, Arbeitsanteile und Lieferzeitplan wurden nicht bekannt gegeben.
Ägypten bereitet sich darauf vor, Partner im türkischen Kampfjet-Programm KAAN der fünften Generation zu werden. Das berichtet das US-amerikanische Medium Al-Monitor, dessen Darstellung die türkische Nachrichtenseite ensonhaber.com wiedergibt. Ankara und Kairo prüfen eine mögliche ägyptische Beteiligung am Programm und die damit verbundenen Optionen einer gemeinsamen Fertigung. Die Gespräche befinden sich weiterhin im Sondierungsstadium: Weder Vertrag noch Arbeitsanteile, Preis oder Lieferzeitplan sind öffentlich.
Die KAAN-Option ist Teil eines breiteren Vorstoßes Ankaras, die Rüstungsverkäufe nach Kairo auszuweiten und die Erlöse aus dem Verteidigungsexport zu steigern. Ägypten, das über eine der größten Streitkräfte der Region verfügt, gilt als potenziell wichtiger Markt für türkische Rüstungsunternehmen – mit Direktverkäufen ebenso wie mit Möglichkeiten zur gemeinsamen Produktion und zum Technologietransfer.
Drei türkische Hersteller in El Alamein
Die drei führenden türkischen Rüstungshersteller zeigen ihre neuesten Systeme in dieser Woche auf der 2. Internationalen Luftfahrtmesse El Alamein in Ägypten. Nach Angaben des ägyptischen Verteidigungsministeriums läuft die Messe von Dienstag bis Donnerstag und bringt mehr als 250 Teilnehmer aus 50 Ländern zusammen. Die ägyptischen Behörden erwarten rund 12.000 Besucher, mehr als 100 Luftfahrzeuge und über 50 Flugvorführungen bei einer der größten Luft- und Raumfahrtveranstaltungen Afrikas und des Nahen Ostens.
Der türkische Auftritt stützt sich auf TUSAŞ, den größten Luft- und Raumfahrthersteller des Landes, den Verteidigungselektronik-Konzern ASELSAN und den staatlichen Waffen- und Munitionshersteller MKE. TUSAŞ zeigt KAAN, den im Inland entwickelten Kampfjet der neuen Generation, der in den 2030er Jahren in den operativen Dienst der türkischen Luftwaffe treten soll. MKE präsentiert TOLGA, ein im Inland gefertigtes Nahbereichs-Luftverteidigungssystem zur Erfassung, Verfolgung und Bekämpfung von Marschflugkörpern und anderen Bedrohungen im Tiefflugbereich. ASELSAN stellt Technologien aus den Bereichen Radar, Luftverteidigung, elektronische Kampfführung, Kommunikation und präzisionsgelenkte Waffen vor.
Von Marinemanövern zur Absichtserklärung
Die militärische Zusammenarbeit beider Länder gewann im September 2025 an Dynamik, als die Türkei und Ägypten erstmals seit 13 Jahren ein gemeinsames Marinemanöver im östlichen Mittelmeer abhielten. Im Juli übten türkische Spezialkräfte in Ägypten gemeinsam mit ägyptischen Luftlande- und Spezialkräften im Manöver Golden Eagle 2026. Der türkische Verteidigungsminister Yaşar Güler und sein ägyptischer Amtskollege Eşref Salem Zaher unterzeichneten am 13. Juli während Zahers Besuch in Ankara eine Absichtserklärung zur Verteidigungszusammenarbeit. Dieses Schreiben bleibt das ranghöchste öffentlich bestätigte Dokument zwischen beiden Ministerien; die KAAN-Frage liegt derzeit darunter – als geprüfte Option, nicht als unterzeichnete Verpflichtung.
Kalkül im östlichen Mittelmeer
Über die kommerzielle Dimension hinaus hat eine engere sicherheitspolitische Abstimmung mit Kairo für Ankara strategisches Gewicht. Ägypten ist eine bedeutende Macht im östlichen Mittelmeer, und ein funktionierendes Verteidigungsverhältnis könnte der Türkei helfen, die sich vertiefende militärische Zusammenarbeit zwischen Griechenland, Israel und der Republik Zypern auszubalancieren. Diese regionale Rechnung ist ein Grund, weshalb die KAAN-Option überhaupt geprüft wird – neben der industriellen Logik, die Entwicklungskosten auf mehr als einen nationalen Haushalt zu verteilen.
Ein paralleler Strang mit Saudi-Arabien
Die regionale Öffnung der Türkei beschränkt sich nicht auf Ägypten. Der Zeitung Asharq Al-Awsat zufolge hat zwischen Saudi-Arabien und der Türkei eine Phase umfassender Zusammenarbeit begonnen, die von der Wirtschaft bis zur Rüstungsindustrie reicht. Dem Blatt zufolge gehen die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder über das Wachstum des Handelsvolumens und traditionelle Investitionen hinaus und entwickeln sich zu langfristigen Industriepartnerschaften in erneuerbaren Energien, Rüstung, Tourismus und Logistik, in denen Kapital, Fachwissen und Technologie zusammenkommen. Energie und Verteidigung gelten als die beiden strategischsten Säulen; beide Seiten arbeiten auf ein Wirtschaftsmodell hin, das auf gemeinsamen Investitionen, Technologietransfer und der Lokalisierung der Industrie beruht. Speziell im Rüstungsbereich beschreibt Asharq Al-Awsat eine Verlagerung weg vom reinen Produktverkauf und von Exportvereinbarungen hin zum Aufbau gemeinsamer Fertigungskapazitäten.