Ägyptens Holzkohleexporte steigen um 41 Prozent und werfen Fragen zur Rohstoffquelle auf
Ägyptens Exportwert für Holzkohle ist Berichten zufolge binnen eines Jahres um 41 Prozent auf 16,3 Millionen $ gestiegen. Saudi-Arabien, die Türkei, Libyen und Israel wurden als Märkte genannt, doch veröffentlichte Belege für eine Verbindung zu gefällten Straßenbäumen fehlen.
Exportwachstum wirft Fragen zur Versorgung auf
Ägyptens Exportwert für Holzkohle stieg Berichten zufolge binnen eines Jahres um 41 Prozent auf 16,3 Millionen $. Damit rücken die Herkunft der zusätzlichen Rohstoffe sowie die Rolle privater Unternehmen und staatlicher Stellen in den Mittelpunkt. In den von der Fernsehmoderatorin Lamis Elhadidy erörterten Handelsdaten wurden Saudi-Arabien, die Türkei, Libyen und Israel als Absatzmärkte genannt.
Nach Angaben von Al-Masry Al-Youm sprach Elhadidy das Thema in der Sendung „Al-Soura“ des Senders Al-Nahar an. Der Gesamtwert könne im Vergleich zu anderen Exportgütern begrenzt erscheinen, der starke Zuwachs verlange jedoch eine offizielle Erklärung. Sie forderte die Regierung auf, die Ursachen des Anstiegs, die beteiligten privaten oder staatlichen Akteure und den Anteil der einzelnen Rohstoffarten offenzulegen.
Kein belegter Zusammenhang mit Straßenbäumen
Die vorliegenden Berichte belegen nicht, dass von ägyptischen Straßen entfernte Bäume zu Holzkohle für den Export verarbeitet wurden. Elhadidy warnte ausdrücklich davor, aus den Handelszahlen direkt auf einen solchen Zusammenhang zu schließen. Holzkohle kann aus landwirtschaftlichen Baumresten, Schnittgut, Altholz und Sägemehl hergestellt werden. Für eine Bestimmung der Herkunft wären deshalb Produktionsunterlagen und eine Aufschlüsselung der eingesetzten Rohstoffe erforderlich.
Kontrovers diskutiert wird auch Israel als eines der genannten Zielländer. Die Quellen nennen keine länderspezifischen Werte für Holzkohle. Der gesamte Zuwachs von 41 Prozent bedeutet daher nicht, dass die Ausfuhren nach Israel im gleichen Umfang gestiegen sind. Christian-Dogma verweist auf andere, auf UN Comtrade gestützte Daten, wonach Ägypten 2025 Waren im Wert von rund 1,35 Millionen $ aus einer breiteren Kategorie nach Israel exportierte, die Holz, Holzwaren und Holzkohle umfasst. Der Betrag lässt sich deshalb nicht als bestätigter Wert reiner Holzkohleexporte behandeln.
Elhadidy forderte das Umweltministerium auf, dem Parlament die tatsächlichen Produktionsquellen darzulegen. Eine vollständige Offenlegung müsste landwirtschaftliche Rückstände und Schnittgut von anderen Holzrohstoffen trennen sowie Produzenten, Mengen, Werte und Zielmärkte ausweisen. Keiner der Berichte beziffert die Anteile der einzelnen Rohstoffe oder verbindet eine konkrete Lieferung mit Holz von entfernten Straßenbäumen.
Debatte trifft auf Kairos Begrünungspolitik
Die Exportdiskussion fällt mit breiter Kritik an Baumfällungen und neuen staatlichen Begrünungsmaßnahmen zusammen. Elhadidy verlangte, Verantwortliche für mögliche Verstöße zur Rechenschaft zu ziehen und die Kosten für Fällung, Ersatzpflanzung und Bewässerung neuer Flächen offenzulegen. Die Neubepflanzung solle sich auf Wohngebiete konzentrieren, in denen die Bevölkerung unmittelbar profitiert, und nicht nur auf abgelegene Standorte.
Die Berichte verweisen auf die Artikel 162 und 367 des ägyptischen Strafgesetzbuchs. Artikel 162 sieht in bestimmten Fällen von Beschädigung oder Fällung gepflanzter Bäume an Straßen, in Parks, auf Märkten, öffentlichen Plätzen und weiteren erfassten Orten Haft, eine Geldstrafe oder eine dieser Sanktionen sowie Ersatz des Schadenswerts vor. Artikel 367 behandelt bestimmte Fälle der Beschädigung oder Fällung von Nutzpflanzen, Bäumen und anderen Pflanzen. Die rechtliche Einordnung hängt vom Ort und den Umständen des jeweiligen Falls ab.
Unterdessen setzt die Regierung die Anweisungen von Präsident Abdel Fattah el-Sisi für das Projekt „Begrünung Kairos“ um. Am 5. September verlangte der Präsident, im Zuge der Arbeiten am historischen Kairo frei werdende Flächen in Grünanlagen umzuwandeln. Premierminister Mostafa Madbouly ordnete nach einer Sitzung am 7. September die Bepflanzung der Ringstraße und weiterer Hauptverkehrsachsen sowie eine Erfassung unbebauter Staatsflächen für Parks und Grünanlagen an. Kairos Gouverneur Ibrahim Saber erklärte, das Fällen von Bäumen in der Hauptstadt sei vollständig eingestellt; auch Rückschnitte seien auf notwendige Fälle unter festgelegten Auflagen begrenzt. Bereits im Juli 2024 hatte das Gouvernement Kairo das Fällen und übermäßige Beschneiden in allen Stadtbezirken untersagt. Baumverpflanzungen bedürfen der Prüfung durch den zuständigen Ausschuss und der Aufsicht des Umweltministeriums.